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Samuel Haberland
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Pfarrer d. Kirchgemeinde


Alte Erinnerungen aus Nobitz
II. Band
Magister Samuel Haberland 1651 - 1688

Haberlands Erinnerungen Buch Nr. 4 - 2. Teil


Als Haberland ein Amt antrat, war Friedrich Wilhelm II. Landesherr im Fürstenthum Sachsen Altenburg 1639 - 1669. Da ihn 1640 Coburg und 1660 ein Theil der Grafschaft Hennberg zufiel, umfaßte Altenburg mehr denn 50  Meilen. Als guter Landesvater ließ es sich Friedrich Wilhelm angelegen sein, die durch den 30 jähr. Krieg dem Lande geschlagene Wunden möglichst zu heilen; in jeder Weise nahm er sich der Sicherheits- und Sittenpolizei an. Er gab auch eine neue Forst, Wild u. Jagdordnung; auch eine Fischerei u. Feuerordnung.
Vor Allem aber war er, was hier für uns am meisten in Betracht kommt, ein guter
summus episcopus; der sich gleicher Weise der Kirchen u. Schule annahm und dabei große Opfer brachte. Es standen ihn dabei zur Seite die beiden Generalsup. Caselius 1642 - 56 u. Sagittarius 1656 - 1689. Im allgemeinen sei erwähnt, daß 1662 die Altenburger Schule die Selecte erhielt, die Wolff Conrad von Thumbshirn als .......................................stiftete, dazu der Herzog jährlich 100 Taler gab. Er ließ auch die Schloßkirche in Altenburg verschönern; 31. Oct. 1647 wurde sie neueingeweiht. Ebenso erbaute er die Altenburger Gottes...kirche, dazu 1639 der Grund gelegt, die 1650 eingeweiht, aber erst 1658 gänzlich vollendet wurde. 1654 21. Febr. nachts 11 Uhr stürzte ein Thurm der Bartholomäikirche ein, 1660 27. Febr. ward auch der andere Thurm abgetragen, den 5. Juni der Grund zu dem neuen gelegt. Was er für das Informationswerk, Einführung der Katech. Unterredungen, die Neuherausgabe der opera Lutheri (?) gethan, dessen soll weiter unten gedacht werden.
Dieser Fürst war 2 Mal vermählt, 1638 - 1650 in kinderloser Ehe mit Sophia Elisabeth einer Prinzessin aus dem markgräfl. Brandenburgischen Hause, seit 1652 mit Magdalene Sibille, der jüngsten Tochter des Kurfürsten Johann Georg I. von Sachsen, die zuvor mit dem dänischen Kronprinzen Christian vermählt war. Als dieselbe 21. Oct. 1652 in Altenburg ihren Einzug hielt, hatten sich die vornehmen Bauernsöhne u. Bauerntöchter in ihren besten Kleidern und zwar die Weibespersonen in Hormden in Münsa zu sammeln und mußten dort vor dem hohen Paare einen Tanz aufführen. Die neue Landesmutter war eine überaus kunstsinnige u. kunstliebende Fürstin, von manch sinniger Aufführung am Altenburger Hofe aus jenen Tagen wird berichtet z. B. wurde die Erwerbung Hennebergs plastisch gefeiert, in dem bei einem Hoffeste 12. Febr. 1662 eine große Henne aus Papier im Saale erschien, die 3 Eier legte, aus denen die 3 fürstl. Kinder sich herausarbeiteten, um ein Ballet aufzuführen. (Wahrscheinlich ein sogenanntes Entrement ........). Besonders beliebt in jenen Tagen waren Ringelrennen, Karusellrennen, Schlittenrennen. Aus Anlaß der Geburt der Prinzen Christian 27. Febr. 1654, dessen Einsegnung 24. Juni ein solches Rennen im Schloßfest abgehalten, dabei nur Adelige mit 16 nachweisbaren Ahnen theilnehmen durften. Der Herzog selbst ritt als römischer Ritter, sein Schwäger, der Kurprinz Joh. Georg von Sachsen stellte die Amazonen Königin Penthesilla dar. In der Komödie am 29. Juni verkörperte die Herzogin die Glückseligkeit, in Gold gekleidet, eine güldene Krone auf dem Haupt, in der rechten Hand eine goldene Lanza, in der linken ein golnes Glücksrad. 14 Tage lang setzte man derartige Feierlichkeiten fort, wobei täglich theils im Schlosse, theils in der Stadt an 300 Tischen gespreist wurde. Auf dem Markte war eine große Küche erbaut und Abends wurde die Stadt (in Ermangelund electrischer Beleuchtung) mit brennenden Feuerpfannen erleuchtet.
Magdalena Sibylle war aber auch eine gute Landesmutter. Daran erinnert ein Bild im Residenzschloß heute noch, das sie darstellt, wie sie als arme Bäuerin verkleidet, mit einem Korbe am Arme, Fleisch einkauft. Sie wollte damit erkunden, was es mit den vielen Klagen wider die Stadtfleischer, daß sie für hohes Geld geringes Fleisch verkauften , auf sich habe. Und als sie die Klage begründet fand, setzte sie es bei ihrem Gemahl durch, daß seit 1663 auch Landfleischer in der Stadt feil halten durften. Wahrscheinlich von der Last der Abgabe, die sie zu erlegen hatten, erhielten sie den Namen "Lästerer". Auch das Nobitzer Kirchspiel erhielt bald solche, einer der ältesten heißt Hans Mältzer in Nobitz, Ein u. Stadtschlächter, auch in Niederleupten fanden sich solche.
Übrigens ist es jene Magdalene Sibylla die 1665 sich einen Wittwenwitz in Altenburg zu bauen anfing, der freilich bei ihrem Tode noch nicht vollendet war, eine Zeit lang als Kornspeicher genutzt wurde, bis 1705 Georg Friedrich II. von Gotha u. Altenburg darinnen das adelige Magdalenenstift einrichten ließ.
Die fürstliche Ehe war mit 3 Kindern gesegnet.

1. 1654 27. Febr. Christian, ein Knabe von sehr hohen Geistesgaben, der 5. Juni 1663 auf dem Altenburger Schlosse an den Masern, der bekannten Wettiner Krankheit, starb.
Nach seinem Ableben, so wird als Curiosum erzählt, zeigte sich an seinem ganzen Körper Schweiß, man vermeinte, er würde sich ins Leben zurückrufen lassen, weshalb man ihn in warmen Wein legte, aber vergeblich.

2. Johanna Magdalene geb. 1656 am 14. Jan., kurz vor dem Tode des Vaters 1669 im März mit Herzog Johann Adolf von S... Weißenfels verlobt, 24.7.1671 mit ihm vermählt, 1688 22. Jan. nach sehr kinderreicher Ehe verstorben.

3. Friedrich Wilhelm geb. 12. Juli 1657

Nachdem 1667 am 24. Nov. sein verdienstvoller Kantzler von Thumbshirn gestorben, bald darauf 6. Jan. 1668 seine Gemahlin Magdalene Sibylla gestorben war, starb 22. April 1669 auf dem Altenburger Schlose der Herzog selbst und zwar an Wassersucht. Während über die Leich- u. Klagpredigten der fürstl. Persönlichkeiten damals sich nicht immer ein besonderer Vermerk findet, ist doch noch auf einem besonderen Blatt im Archiv mancherlei über da Begräbnis des Herzogs Friedrich Wilhelm II. zu finden. Aus der Kirchrechnung ist ersichtlich, daß die Landestrauer damals fast immer durch den "Bettelvoigt" angesagt wurde, der dafür, wie der Confistorialbote gewöhnlich 2 Groschen bekommt.
Wegen des Fürstl. Begräbnis des am 22. April verstorbenen altenburgischen alten lieben Landesfürsten, Herzog Friedr. Wilhlems, welcher auf dem 14. Juli fürstl. beigesetzt werden soll, u. auf den 16. Juli in Städten u. auf dem Lande Klag- u. Trauerpredigten sollen gehalten werden, dazu in der Luccauischen Anjunctur folgende ...... überschickt worden.
d. 1. Juli 1669
1. Nobitz
2. Windischleuba
3. Treben
4. Gerstenberg
5. Lucca
6. Breytenhain
7. Meuselwitz
8. Kriebitsch
9. Wintersdorf
10. Rositz
11. Zschernitsch
12. Rasephas
Weiter wird verordnet, daß vom Tage des Absterbens ann alle Tage von 10. bis 11 Uhr mit allen Glocken in Städten u. Dörfern soll geläutet werden, damit auf dem Lande 4 Wochen bis 22. Mai, in Altenburg aber stets nach einander bis zum Tage des Begräbnisses continuiret werde.
Auf den 14. Juli wollen geliebter Gott! Die Herrn Adjunctiore (?) von 1. Schmölln,
2. Lucca, 3. Monstab, 4. Gößnitz, 5. Langenleuba, 6. Gößnitz, 7. Zschernitsch wie auch die Herren Pastorer, wie sie auf diejenigen, welcher im vorigen Jahr der fürstl. Leichen procession beigewohnt haben, folgen - folgen 29. Ortschaften früh wie im Vorigen F. Begräbnis in ihren Priesterlichen Habit in............der Schule einstellen. Ebenso werden die Schulmeister aus 18 Orten beschrieben, die sich gleichfalls mit Trauer Mänteln umb 9 Uhr in der Schule einfinden sollen. - Auf den 4. Trinit. ist das Läuten wiederumb anzufangen u. damit bis auf den 14. Juli zu continuiren, den 15. drauf wird innegehalten, den 16. aber der Verordnung in den Städten und auf dem Lande nachgelebet.
Des höchsten Schutz befohlen Altenburg am 19. Juni Anno 1669 V. T. J. Chr. Sagitt. -
Auf der Rückseite dieses .....blattes, darauf sich diese Bestimmungen finden, hat Haberland gleich seine Predigt entworfen.
A. Z.
Brevis declinatio concionis luctuosne

Votum. Das walt der Herzog des Lebens, Jesus Christus, nach dessen Willen zwar unser gnädigster Landesfürst u. Herzog verstorben, und wir dadurch in Trauer als treue Unterthanen gesetzt werden, der wolle und allerseits kräfftig trösten aus seinen heiligen göttlichen Wort in Krafft das heil. Geistes Amen.
Praeloquium. "Es ist nicht unfüglich, dilecti, lugentes et condolents (Auswahl, Trauer u. Schmerz ?), das Regiment der hohen Obrigkeit über Land u. Leute zu vergleichen einem menschlichen Körper! Daran dann Händen u. Füßen verglichen werden die Regierungsräthe u. Beambte, mit dem Bauch die Unterthanen, mit dem Haupt der Regent selbst. Wo diese nun allerseits sich noch befinden, frisch und gesund sind und das Ihrige wohl verrichten können, so stehts dann wohl umb ein solch Regiment, auch um Land und Leuthe. Wo aber ein Glied nach dem anderen Kranket u. gar abfällt, auch endlich über das Haupt selbst kommt, da ist es jämmerlich u. höchst gefährlich, wo nicht Gott selbst solches wieder ersetzet. Nun es sind in weniger Zeit und Jahren auch der gleichen Zufälle in unserem löbl. Fürstenthumb u. Lande geschehen, da immer ein Fürstl. Rath u. Vornehmer Bedienter ab... u. verstorben, auch nummehro leid auch gar übers Haupt selbst kommen, indem unser gnädigster Landesfürst und Vater der durchlauchtige Hochgeborne nach Gottes Willen im Herrn seligst versrorben, da wir daher bittelich zu seufzen und zu klagen haben. Die Krone unsers Hauptes ist abgefallen! O Weh, daß wir so gesündigt haben. Je.. V. 6 u. könnte leichtlich auch ein großes Unheil darob über uns entstehen. Gott erhalte aber den verlassenen fürstl. jungen Prinzen, gebe Ge....... jener zu dessen löblicher Erziehung, daß er möge in seines verstorbenen seligen Vaters löbliche Fußstapfen treten, gebe uns wahre Herzenslüste und ....... Herzen, daß wir seine Gnade u. alles Gute zu gewärtigen haben u. da wir allhier im Hause des Herrn nach gehaltener unterthäniger Procession uns insgesamt zusammengefunden, wolle der Herr unserm Herzen andacht geben ....zuführen.
Text II. Thelf. ..... 13. 14,
Wir aber sollen Gott danken allezeit um euch, geliebte Brüder von dem Herrn, daß euch Gott erwählet hat von Anfang zur Seligkeit, in der Heiligung des Geiste und im Glauben der Wahrheit, darinnen er euch berufen hat durch unser Evangelium, zu herrlichen Eigenthum uneres Herrn Jesu Christi.-
Exordium. Wenn der geistreiche König u. Prophet David ...82 ...7.8. sagt:" Ich hab wohl gesagt: Ihr seid Götter u. allzumal Kinder des Höchsten; Aber ihr werdet sterben, wie Men..... u. wie ein Tyrann zu Grunde gehen", Darinnen erinnert König David sowohl sich als andern hohen (Sohn) Standespersonen (1) ........................................ ...................................

..................................: Götter u. Kinder des Höchsten, weil .........................................................................................: werdet sterben...............................imaginet.
Hinweis auf den Defunctus ...................................................................................

.....................................................................sumus- ..........ist auch unser Herz betrübt u. unsre Augen sind finster worden für großen Jammer u. Leid. Was sollen wir aber machen. Wir wollen Gottes Wort zur Hand nehmen u. daraus in sothaner (?) Betrübniß uns wieder trösten u. aufrichten aus dem verlesenen Paulinischen überschickten Trostsprüchlein und die ewige Gnadenwahl zur Seligkeit mit einander kürzlich ansehen und betrachten.

Tractativ
nach den 4 Theilen:......................................................................

.........................................................................................
Auf Friedrich Wilhelm II. folgten sein noch nicht 12 Jahre alter Sohn Friedrich Wilhelm III., dessen Vormundschaft Kurfürst Johann Georg II. u. Herzog Moritz von Sachsen Zeitz übernehmen.
Von einer Reise in Dresden zurückgekehrt starb er am Sonntag Quasimodogeniti 14. April 1672 noch nicht 15 Jahre alt an den Blattern. Seine Beisetzung in der väterlichen Gruft der Altenburger Schloßkirche erfolgte 17. Juli.
Mit ihm erlosch das Altenburger Fürstenhaus, das seit 1603, also nur 69 Jahre bestanden hatte.-
Nachfolger wurde Ernst der Fromme, der 25. Dez. 1601 auf dem Schlosse zu Altenburg als 9. Sohn des Herzogs Johann von Weimar geboren wurde, sich 24. Oct. 1636 mit der einzigen Tochter des Herzogs Johann Philips von Altenburg vermählte, jedoch nach Übernahme des Altenburger Landes nicht wieder dahin kam und 26. März 1675 74 Jahre alt entschlief.
Sein bekanntes segensreiches Wirken für das Befestigungswerk der evangelischen Kirche hat sich dann auch noch mit auf Altenburg erstreckt und schenkte erdabei dem Generalsup. Sagittarius sein vollstes Vertrauen.
Nach seinem Tode übernahm zunächst die Regierung sein ältester Sohn Friedrich I. geb. 14. Juli 1646, der bereits 19. Juli 1672 die Erbhuldigung in Namen seines Vaters in Altenburg entgegengenommen hatte u. den 9. Juli 1675 dieselbe abermals antgegennahm. 1680 den 24. Febr. schloß er den Theilungsvertrag mit seinen 4 jüngeren Brüdern; er selbst erhielt Gotha u. von Altenburg die beiden Ämter Altenburg u. Leuchtenburg mit Orlamünde während Eisenberg mit Ronneburg, Roda u. Camburg an den Herzog Christian kam ( † 28. April 1707); Saalfeld aber den Herzog Johann Ernst als Fürsten erhielt. Friedrich I. nahm seinen Aufenthalt meist in Gotha, 1683 wohnt er dem Entsatz der von den Türken belagerten Kaiserstadt Wien bei, 1689 nahm er den Titel eines Herzogs von Engern u. Westphalen an, 1691 gab in der Kaiser den Titel Durchlauchtig, 2. August 1691 starb er zu Gotha, erst 45 Jahre alt.
Jene Zeit war überaus reich an Gesetzen u. Ordnungen, die dann Ausgangs des 17. Jahrhunderts (1698) u. Anfangs des 18. (1705) durch Herausgabe der Landesordnung etc. einen gewissen Abschluß fanden.

  

Letzte Änderung: 01.01.1970